Wie ich aufs Pferd kam...

 

Bereits in den frühesten Kinderjahren wurde ich quasi unheilbar mit dem „Pferdevirus“ infiziert. Es war, seit ich denken kann, mein größter Wunsch ein eigenes Pferd zu besitzen. Da ich das Glück hatte auf einem ehemaligen Bauernhof aufzuwachsen (wo sich ein Pferdestall problemlos integrieren lies) konnte ich meine Familie durch tägliches Bitten und Betteln davon überzeugen.

Im zarten Alter von 4 Jahren war es dann tatsächlich so weit: Mein Opa schenkte mir mein erstes Pony – Perle – eine Shetlandpony-Stute, 100cm groß und eigentlich mit einem Begriff zu umschreiben: Stur!

Auf Perle durfte ich meine ersten Erfahrungen in Sachen Reiten machen - Unter der Obhut meines Großvaters, der mich damals tagein tagaus durch die Strassen meines Heimatortes führte. Bevorzugte Gangart war Schritt, wenn Perle einen guten Tag hatte auch mal Trab... Galoppieren wollte sie nur auf der Koppel.....

 

Als ich 9 Jahre alt war kam leider der Tag, an dem ich für Perle zu groß wurde. Ein Nachfolgepony war bald gefunden: Medi – eine Ponymix-Stute, mit einem Stockmaß von immerhin 120cm. Auch hier begleitete mich in der ersten Zeit immer mein Opa. Mit dem Unterschied, dass ich nicht mehr geführt wurde, sondern eigenständig ritt und er mit dem Fahrrad fuhr. Mangels Reitplatz blieb mir damals nur

                                                               Ausritte ins Gelände.

 

 

Nach und nach wurde ich sicherer beim Reiten in allen Gangarten und ging alleine auf Tour. Halbwegs geeignete Äcker und Wiesen wurden zum „Reitplatz“ umfunktioniert und ich übte mich an meinen ersten Bahnfiguren und an kleineren Sprüngen.

Mit der Zeit wuchs auch der Wunsch nach Reitunterricht. Nachdem eine Reitstunde im hiesigen Reitverein allerdings mit den Worten „Wenn du reiten lernen willst kauf dir erstmal ein gescheites Pferd!“ endete, hatte sie dieses Thema für mich erledigt. Ich entwickelte mich zum Autodidakt, schaute mir die verschiedensten Dinge von anderen Reitern ab und lernte aus Büchern. Medi hatte zwar einen Westernsattel, wurde aber von mir „klassisch“ geritten.

Als ich 15 war wurde auch Medi zu klein für mich. Die Suche nach einem größeren Pferd begann von neuem. Ich wollte damals unbedingt einen Norweger, mein Opa einen Haflinger. Mit dem Gedanken an letzteres konnte und wollte ich mich so gar nicht anfreunden...

Eine Freundin berichtete allerdings, dass im Nachbarort gerade ein solcher Haflinger wegen Zeitmangel der Besitzerin zum Verkauf stünde: Wallach, 9-jährig, 130 cm Stockmaß, freizeitgeritten. Und ehe ich mich versah war ich mit meinem Opa auf dem Weg dieses Tier anzuschauen. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Nach einer Runde probeführen und einmal Koppel hoch- und runter reiten war jedoch klar – wir kaufen ihn. Die Tatsache, dass dieser Wallach den Ruf weg hatte „unreitbar, faul, stur, verfressen“ – mit einem Wort „unmöglich“ zu sein, wurde mir Gott sei Dank erst später bekannt.....

Und so kam es dann, dass an einem schönen Augusttag 1994 das Pony bei uns einzog, das mein Leben verändern sollte: Taro.

Um es kurz zu machen: Taro machte seinem Ruf – der mir zwischenzeitlich zu Ohren gekommen war – alle Ehre. Dennoch: Nach und nach rauften wir uns zusammen. Hinzu kam, dass Taro`s Ausrüstung komplett im Westernstil gehalten war. Zufällig wurde gerade zu dieser Zeit in der Nähe ein Westernturnier veranstaltet, das ich aus reiner Neugier besuchte. Premiere! Und -  Ich war begeistert. Diese Leichtigkeit wie alle Manöver auf mich wirkten, die einhändige Zügelführung, der Trailparcours..... In diesem Augenblick stand für mich fest: Ich will Westernreiten!!!!

Ein geeignetes Lehrbuch musste her und war schnell gefunden. Da dies sowohl für Taro als auch für mich völliges Neuland war, war der Anfang sehr schwer und mit so mancher Frustträne verbunden. Aber ich gab nicht auf. Und irgendwann kam er auf, der Wunsch nach einer Turnierteilnahme....

 

Vom ersten Turnier noch lange entfernt wurde ich 1995 EWU-Mitglied. Ich verschlang die monatliche Vereinszeitschrift samt aller Fachzeitschriften, die ich in die Finger bekam, förmlich und versuchte möglichst viel vom Western- und Turnierreiten zu erfahren. Zudem nahm ich im gleichen Jahr an einer Reiter-Rallye teil. Damals zog mein Opa den geliehenen Pferdehänger noch mit dem Traktor ins Nachbarort..... Unser Abschneiden insgesamt war mittelprächtig. Aber der 2. Platz im Trailpart bestätigte mich in meinem Eifer nur noch mehr....

1997 war es dann endlich soweit: Ich nahm an meinem allerersten richtiges Turnier teil! Ein A-Turnier in Mannheim. Über das Turnier an sich kann ich heute noch lachen: Taro wollte nicht rückwärts in eine einfache Stangengasse, vom Tor konnte ich ihn nur mit viel Mühe überzeugen und die Pleasure absolvierten wir mit neuem Rundenrekord – im Außengalopp. Aber all das änderte nichts mehr an der Tatsache, dass ich von nun an nur noch eines wollte: Westernreiten und Turnierreiten!

An dieser Stelle muss ich noch erwähnen, dass ich damals kurz vor dem Abitur stand und mir Gedanken über meinen weiteren beruflichen Werdegang machte. Ich entschied mich für eine Ausbildung – als Student hat man schließlich im Normalfall nicht das nötige Kleingeld ein Pferd samt Turniere zu finanzieren.....

 

 

Bereits einen Tag nach Mannheim hatte ich mich für das nächste Turnier angemeldet. Damals hatte ich das Glück, dass eine Bekannte ebenfalls mitritt und für  Taro und mich die ersten Male „Taxi“ spielte. Und es kam, wie es kommen musste: Ich kaufte einen gebrauchten Pferdehänger, unser Auto wurden gegen ein Auto mit Anhängerkupplung ersetzt...und ich fuhr mit Taro von Turnier zu Turnier. Immer begleitet von meiner Mutter und Ihrem Lebensgefährten. In der ersten Zeit war der Erfolg sehr gering, meist wurden wir letzte. Doch das tat meinem Enthusiasmus keinen Abbruch, ich war mit voller Begeisterung bei der Sache....  nahm Reitstunden, besuchte Reitkurse....

 

... Und wohin sich diese Begeisterung im Laufe der Jahre entwickelt hat, können Sie unter „Turniererfolge" nachlesen .....

 

An dieser Stelle möchte ich  meiner Familie, die mich immer unterstützt hat und auch heute noch unterstützt, von ganzem Herzen  danken. Ihr habt bei all meinen Entscheidungen, Erfolgen und Rückschlägen hinter mir gestanden. Danke - Ohne Euch wäre das alles nicht möglich gewesen!

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© Heike Trautwein Westernreiten